Leere Sitzplätze im ÖPNV

Einbruch der Fahrgastzahlen: SaarVV-Tarifreform nicht weiter verschleppen

Tressel fordert verbindlichen Starttermin +++ Attraktivität durch Komfortgewinne steigern

Als Reaktion auf die Veröffentlichung des neuen SaarVV-Verbundberichts für das vergangene Jahr 2019, der – noch ohne Corona-Folgen einen weiteren deutlichen Einbruch der Fahrgastzahlen um 2,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr konstatiert, appelliert der saarländische Bundestagsabgeordnete und Grünen-Landeschef Markus Tressel an Verkehrsministerin Rehlinger, bei der Tarifreform nicht länger auf Zeit zu spielen, sondern unverzüglich einen verbindlichen Starttermin zu nennen. Zugleich fordert der Grünen-Politiker, die Attraktivität von Bussen und Bahnen durch Komfortgewinne zu steigern, um mehr Fahrgäste zu gewinnen. Obwohl ein Gutachten der Grünen-Bundestagsfraktion hohe Wachstumspotenziale im ÖPNV gerade für Metropolregionen sieht, geht im Saarland die Zahler der Nutzer offenbar immer noch zurück. 

„Laut dem neuem SaarVV-Verbundbericht für das vergangene Jahr 2019 sind die Fahrgastzahlen um 2,75 Prozent auf gerade einmal noch 68,86 Millionen beförderte Personen zurückgegangen. Damit hat sich der Rückgang weiter dramatisch verschärft. Die Auswirkungen der Corona-Krise sind dabei noch gar nicht drin. Während andere Verkehrsverbünde seit Jahren mehr Menschen gewinnen, brechen im Saarland die Fahrgäste immer weiter weg“, kritisiert Markus Tressel, Bundestagsabgeordneter und Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Saar.

Der Grünen-Politiker fordert einen verbindlichen Starttermin für die SaarVV-Tarifreform. Tressel: „Verkehrsministerin Rehlinger darf nun nicht länger auf Zeit spielen, sondern muss unverzüglich einen verbindlichen Starttermin für die groß angekündigte Tarifreform nennen. Die Corona-Krise kann nicht länger als Ausrede dafür herhalten, nicht mit den Aufgabenträgern und den Verkehrsunternehmen sprechen zu können. Konferenzen kann man auch digital durchführen. Offenbar soll die Tarifreform soweit ins kommenden Jahr 2021 verschleppt werden, um damit im anstehenden Landtagswahlkampf punkten zu können.“

Tressel drängt zudem darauf, die Attraktivität von Bussen und Bahnen durch gezielte Komfortgewinne zu steigern. „Sind Busse und Bahnen attraktiv, steigen auch die Fahrgastzahlen.“ Der Bundestagsabgeordnete hatte schon vergangenes Jahr Vorschläge gemacht, wie die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs im Saarland kurzfristig im Rahmen eines Sofortprogramms verbessert werden könnte:

1. Kostenfreie Fahrradmitnahme auch vor 9 Uhr
Statt an starren Ausschlusszeiten werktags von ganz früh morgens bis immerhin 9 Uhr festzuhalten, sollten zumindest diejenigen Züge für eine kostenlose Fahrradmitnahme freigegeben werden, die bereits heute von der Kapazität her ohne weiteres die Fahrradmitnahme erlauben würden. Insbesondere ganz früh morgens oder nach 8 Uhr, sowie auf Nebenstrecken, sollte dies problemlos möglich sein. Dazu braucht es lediglich eine Evaluation der Fahrgastzahlen und ein entsprechendes Fahrplansymbol.

2. Fahrgastinformation landesweit normieren und ausbauen
Bereits bei den Aushangfahrplänen an Bushaltestellen fängt es an: Statt einer landesweit einheitlichen Fahrgastinformation an den Haltestellen, die übersichtlich und normiert ist, gibt es ein Fahrplan-Wirrwarr, bei dem jedes Verkehrsunternehmen seinen eigenen Fahrplan mit seinem eigenen Layout anbringt. Wir brauchen einheitliche Standards für alle Haltestellen und Fahrzeuge. Darüber hinaus benötigen wir mehr digitale Lösungen, idealerweise auch verknüpft mit anderen Verkehrsträgern. Das Saarland hinkt dieser Entwicklung im Bundesländervergleich weit hinterher.

3. WLAN in allen Bahnen und Bussen
Ein kostenfreies WLAN-Angebot in allen Zügen und Bussen sowie auf den Bahnhöfen sollte selbstverständlich werden. Es reicht nicht aus, WLAN lediglich in den Neuausschreibungen zu berücksichtigen. WLAN muss in allen Zügen und Bussen nachgerüstet werden, um ein flächendeckenes Angebot bereit zu stellen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, ausreichend Datenvolumen für eine zeitgemäße Internetnutzung zur Verfügung zu stellen.

4. ÖPNV-Tarif für die Großregion
Wer zwischen den einzelnen Regionen innerhalb der Großregion den öffentlichen Personennahverkehr nutzen möchte, braucht immer noch bis zu drei Fahrkarten. Besonders hart trifft dies die steigende Anzahl von Grenzpendlerinnen und –pendler, für die Bus- und Bahn dadurch fast nicht zu finanzieren sind. Die Menschen werden geradezu zum Auto getrieben. Wer beispielsweise mit dem Zug von Idar-Oberstein nach St. Wendel pendelt und im Vor- und Nachlauf auf den Bus angewiesen ist, braucht derzeit drei Abonnements – eines davon für den Grenzübertritt zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Wir brauchen daher einen gemeinsamen ÖPNV-Tarif für die Großregion. Kurzfristig benötigen wir Übergangstarife, insbesondere mit Rheinland-Pfalz.

5. Mobilitätsgarantie einführen
Immer wieder verpassen Fahrgäste wichtige Termine oder kommen im Extremfall abends gar nicht mehr nach Hause, weil Busse und Bahnen nicht fahrplangemäß fahren. Gesetzliche Fahrgastrechte wie im Eisenbahnverkehr gibt es bei Bussen und Straßenbahnen im Nahverkehr gar nicht. Bei Verspätungen und Ausfällen sind die Fahrgäste weitestgehend rechtlos und bleiben auf der Strecke. Wir brauchen auch im Saarland dringend eine Mobilitätsgarantie. Ein Vorbild kann Nordrhein-Westfalen sein. Wenn sich Bus oder Bahn dort mindestens 20 Minuten verspäten, können sich die Fahrgäste ein Taxi nehmen und bekommen die Kosten erstattet.

Den neuen SaarVV-Verbundbericht mit den Fahrgastzahlen (Seite 10) finden Sie hier als pdf-Dokument.